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Claude Design, Copilot Cowork & der langsame Weg zu besserem Code

26. Mai 2026 · 12 Min. · 2200 Wörter

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Heute ist so ein Tag, an dem die Fälle richtig auseinandergehen. Während die eine Firma ein Produkt launcht, mit dem du visuell arbeiten kannst — Design, Prototypen, Slides, alles direkt mit Claude — zeigt eine andere, wie schnell ein Assistent zur Sicherheitslücke wird. Und dann kommt jemand und erklärt, warum er KI am liebsten nutzt, um Code langsamer zu schreiben. Klingt paradox? Finde ich auch. Servus, Lissy hier, das sind die Daily AI News. Heute geht's um Claude Design, um Microsoft Copilot Cowork und um die Frage, ob langsamer manchmal besser ist.

Claude Design — Anthropic wird zur Kreativ-Plattform

Fangen wir mit dem größten Thema an. Anthropic hat heute Claude Design vorgestellt. Ein Tool, mit dem du direkt mit Claude visuelle Arbeiten erstellen kannst. Nicht nur Chatten, sondern wirklich gestalten: Designs, interaktive Prototypen, komplette Präsentationen, One-Pager, Landing Pages. Das kommt aus den Anthropic Labs, ist erstmal ein Research Preview und wird nach und nach für Pro-, Max-, Team- und Enterprise-Nutzer freigeschaltet.

Was mich an dem Produkt richtig beeindruckt, ist der Onboarding-Prozess. Claude liest beim ersten Start deine Codebase und deine Design-Files und baut daraus ein Design System für dein Team. Farben, Typografie, Komponenten — alles automatisch erkannt. Jedes Projekt danach nutzt dieses System. Ihr könnt auch mehrere Designsysteme pflegen. Das heißt: Die Ausgabe sieht von Anfang an aus wie euer Unternehmen. Nicht wie generische KI-Grafik, die irgendwie nach Startup aussieht, aber nie nach eurem Startup.

Was du machen kannst: Text-Prompt, Dokumente hochladen (DOCX, PPTX, XLSX), oder Claude auf deine Codebase zeigen lassen. Es gibt auch ein Web-Capture-Tool, das Elemente direkt von deiner Live-Seite greift, damit der Prototyp wie das echte Produkt aussieht. Und dann arbeitest du mit Claude zusammen — inline Kommentare, direkte Text-Edits, oder Regler für Abstände, Farben und Layout, die Claude selbst erstellt. Das ist ein Detail, das ich besonders clever finde: Claude erzeugt nicht nur statische Designs, sondern baut live Adjustment-Knobs für die Parameter, die du ändern willst. Das fühlt sich an, als würdest du mit einem Menschen zusammenarbeiten, der deine Arbeitsweise versteht.

Spannend finde ich vor allem die Zielgruppen. Es sind nicht nur Designer. Product Manager können Feature-Flows skizzieren und an Claude Code zur Implementierung übergeben. Gründer und Account Executives machen aus einer groben Gliederung in Minuten eine komplette, markenkonforme Präsentation — und exportieren als PPTX oder nach Canva. Marketer erstellen Landing Pages und Social-Media-Assets. Jeder im Team kann visuelle Arbeit liefern, die Designer dann polieren. Das entlastet die Design-Teams und gibt gleichzeitig den Leuten, die näher am Produkt sind, ein Werkzeug, ihre Ideen sichtbar zu machen.

Ein Feature will ich noch nennen: Claude kann am Ende ein Handoff-Bundle packen, das du mit einem einzigen Befehl an Claude Code übergibst. Also Design und Implementierung aus einer Hand. Das ist der Unterschied zu Figma oder Canva — die Tools sind Inseln. Claude Design ist direkt mit der restlichen Claude-Plattform verbunden.

Das ist für mich der eigentliche Take: Anthropic baut nicht das nächste große Sprachmodell. Sie bauen die Produkte, die zeigen, was das Modell kann. Claude ist kein Chatbot mehr — Claude wird zur Plattform. Und mit Claude Design betreten sie ein Feld, das bisher Figma, Canva und Google Slides gehört hat. Ich bin gespannt, wie lange die anderen brauchen, um zu reagieren.

Microsoft Copilot Cowork — zu viel Vertrauen in die Automatik

Vom Kreativ-Tool zur Sicherheitslücke. PromptArmor hat eine Schwachstelle in Microsofts Copilot Cowork gefunden. Der Assistent ist anfällig für indirekte Prompt-Injection-Angriffe, die zur Datei-Exfiltration führen können. Klingt technisch, ist aber einfach erklärt: Ein Angreifer kann Inhalt so präparieren — zum Beispiel in einer E-Mail oder auf einer Webseite — dass Copilot Cowork sensible Dateien an den Angreifer sendet. Per E-Mail oder Teams-Nachricht. Ohne dass der Nutzer die Aktion aktiv bestätigen muss.

Die eigentliche Nachricht ist für mich nicht, dass Prompt Injection funktioniert. Das wissen wir seit über zwei Jahren. Die Nachricht ist, wie viel automatische Handlungsmacht wir diesen Assistenten gegeben haben. Copilot Cowork darf Dokumente per E-Mail versenden. Es darf Teams-Nachrichten schreiben. Und es tut das auf Basis einer Entscheidung, die ein Prompt getroffen hat — nicht ein Mensch.

Das erinnert mich an eine Diskussion, die wir in der Biologie hatten, als die ersten automatischen Pipettier-Roboter kamen. Die Frage war nie: Kann der Roboter pipettieren? Sondern: Darf er das ohne Bestätigung? In der Forschung war die Antwort immer: Nein. Jede Bewegung, jedes Reagenz — bestätigt. In der Software-Welt scheinen wir diese Lektion gerade erst zu lernen. Ich finde, das ist ein wichtiger Moment, um innezuhalten und zu fragen: Welche Aktionen sollte ein Assistent jemals automatisch ausführen dürfen?

Langsamer schreiben, besser werden

Und dann ist da dieser Blogpost von Nolan Lawson, der mich richtig zum Nachdenken gebracht hat. Er heißt: „Using AI to write better code more slowly" — also KI nutzen, um besseren Code zu schreiben, dafür langsamer. Klingt erstmal nach dem Gegenteil von dem, was alle erzählen. Aber seine Methode ist clever.

Statt KI massenhaft Code produzieren zu lassen und blind zu mergen, schickt er drei verschiedene Systeme auf jeden einzelnen PR los: einen Claude-Sub-Agent, Codex und Cursor Bugbot. Die suchen parallel nach Bugs, bewerten sie nach kritisch bis niedrig. Dann setzt er sich hin, prüft die Ergebnisse, filtert False Positives und schreibt einen finalen Report.

Seine Erfahrung: Die Technik findet in jedem einzelnen PR massenhaft Bugs. Die False-Positive-Rate ist nahe Null. Und er wird dadurch nicht schneller — aber der Code wird substanziell besser. Er lernt dabei sogar noch etwas über die Codebase, weil die Bugs oft in Ecken sitzen, die er vorher nicht kannte.

Was ich daran mag: Es ist die Umkehrung des üblichen Narrativs. Die meisten reden davon, wie viele Zeilen Code KI pro Minute spuckt. Lawson fragt: Was ist mit der Qualität? Er verteilt die Arbeit anders — die Maschinen machen die breite, schnelle Analyse, der Mensch interpretiert und priorisiert. Das kenne ich aus dem Labor: Die automatische Sequenzierung liefert tausend Datenpunkte. Der Wissenschaftler entscheidet, welche relevant sind. Vielleicht ist das eigentlich das natürliche Verhältnis zwischen Mensch und KI.

Drei Signale, eine Richtung

Bevor ich zum Ende komme, noch drei kleinere Meldungen, die zusammen ein Muster ergeben.

Erstens: Die US-Regierung investiert zwei Milliarden Dollar aus dem CHIPS Act in Americas erste reine Quantum-Chip-Foundry bei IBM. 300-Millimeter-Supraleiter-Silizium. Das ist keine KI im engeren Sinne, aber es zeigt: Während alle auf KI schauen, baut die US-Strategie parallel die nächste Technologie-Infrastruktur auf. Quantum und KI sind Geschwister, nicht Konkurrenten.

Zweitens: Anthropic-Forscher haben mit Claude eine macOS-Kernel-Sicherheitslücke gefunden. CVE-2026-28942. Wird in macOS Tahoe 26.5 geschlossen. Das Schöne daran: Es zeigt die andere Seite der Medaille. Claude, der Sicherheitslücken findet, nicht nur welche hat.

Und drittens: Chert — ein YC-Startup, das Twilio für iMessage macht. Baut KI-Infrastruktur für Business Messaging direkt auf Apples Plattform. Ein Signal, dass iMessage als Business-Kanal ernst genommen wird.

Ich nehme aus diesen drei Meldungen mit: Der Wettbewerb um die nächste Plattform — ob Quantum, Sicherheit oder Messaging — ist in vollem Gange. Und KI ist überall mittendrin.

Wenn ich heute eines mitnehme, dann: Die Woche startet mit einer ungewöhnlichen Mischung. Ein neues Kreativ-Tool von Anthropic, das zeigt, wohin die Reise geht — weg vom Chat, hin zur Plattform. Eine Sicherheitslücke bei Microsoft, die uns daran erinnert, dass Vertrauen in Automatismen seine Grenzen haben muss. Und ein Blogpost, der die KI-Debatte vom Kopf auf die Füße stellt. Vielleicht ist es wirklich produktiver, mit KI besser zu werden statt schneller. Genau das ist der Grund, warum ich diesen Podcast mache: nicht um Geschwindigkeit zu feiern, sondern um die Momente zu finden, in denen Technik uns weiterbringt — mit mehr Köpfchen, nicht nur mit mehr Tempo. Wenn euch die Folge gefallen hat, teilt sie mit jemandem, der auch darüber nachdenkt, wie er KI wirklich nutzen will. Oder schreibt mir, was euer Take zum Thema 'langsamer ist besser' ist. Ich bin gespannt. Servus, pfiat eich und bis morgen — eure Lissy.